Der Jahreswechsel ist laut gewesen.
Knallend. Aufdringlich. Unruhig.
Der Himmel grell, die Nächte zerrissen vom Lärm.
Und doch lag darunter etwas anderes.
Denn während es über uns krachte, blieb die Erde still.
Der Schnee dämpfte die Geräusche.
Der Boden hielt alles fest, was von oben kam.
Der Winter fragt nicht nach Plänen.
Er fordert nichts.
Er lädt ein.
Draußen ruht die Erde unter einer schützenden Decke.
Der Boden ist hart gefroren und doch birgt er alles, was später wachsen will.
Kein Same drängt.
Keine Wurzel eilt.
Alles weiß: Jetzt ist nicht die Zeit dafür.
Und vielleicht gilt das auch für uns.
Wir müssen uns jetzt nicht neu erfinden.
Wir müssen unser Leben nicht umstülpen, nur weil ein neues Jahr begonnen hat.
Die Natur macht es uns vor:
Sie bleibt sich treu.
Sie hält aus.
Sie sammelt Kraft.
Der Wald steht ruhig.
Die Bäume ziehen ihre Energie nach innen zurück.
Alte Blätter sind gefallen, manches ist abgestorben
nicht aus Verlust, sondern aus Weisheit.
Was nicht mehr trägt, darf gehen.
Was Kraft braucht, darf ruhen.
Der Januar ist kein Monat des Tuns.
Er ist ein Monat des Seins.
Ein Monat, um die Füße fest auf die Erde zu stellen.
Um zu spüren, was uns wirklich nährt.
Um die eigenen Wurzeln zu prüfen:
Sind sie noch verbunden?
Sind sie gesund?
Oder brauchen sie Schutz?
Unsere Reise führt uns in den Wald, weil er nichts beschleunigt.
Er erinnert uns daran, dass alles seine Zeit hat.
Dass Wachstum nicht laut ist.
Und dass wahre Veränderung im Verborgenen beginnt.
Dieses Jahr darf langsam starten.
Unfertig.
Ungeplant.
Echt.
Der Frühling wird kommen.
Aber jetzt ist Winter.
Und der Winter lehrt uns,
dass Kraft nicht im Machen entsteht, sondern im Verwurzeltsein.
Willkommen im neuen Jahr. 🌲

