Manchmal frage ich mich, warum wir Menschen so lange versuchen, weiterzumachen, obwohl längst etwas in uns nach einer Pause ruft.
In den letzten Wochen hat mein Körper ziemlich deutlich mit mir gesprochen. Erst waren da Kopfschmerzen. Dann taten mir die Augen weh. Irgendwann fiel es mir schwer, Dinge zu lesen, die direkt vor meiner Nase waren. Das Handy wurde anstrengend. Der Bildschirm wurde anstrengend. Dazu kamen Fieber und Schüttelfrost.
Und trotzdem wollte ein Teil von mir einfach weitermachen.
Schließlich gibt es immer etwas zu tun. Noch einen Beitrag schreiben. Noch schnell eine Nachricht beantworten. Noch etwas vorbereiten. Noch etwas erledigen.
Doch während mir das Lesen auf dem Handy schwerfiel, konnte ich draußen problemlos in die Ferne schauen. Ich konnte den Himmel beobachten. Die Bäume. Die Vögel. Die Wiesen.
Draußen wurde es ruhig.
Und vielleicht war genau das die Botschaft, die ich so lange überhört hatte.
Nicht mehr sondern weniger.
Weniger Bildschirm.
Weniger Müssen.
Weniger Druck.
In dieser Zeit durfte ich wieder erleben, warum ich Pflanzen und die Natur so liebe. Nicht, weil sie immer eine Lösung für alles haben. Nicht, weil sie jedes Problem verschwinden lassen. Sondern weil sie uns erinnern.
Daran, langsamer zu werden, zu atmen, daran, dass wir Teil von etwas Größerem sind.
Besonders berührt hat mich in den letzten Tagen eine Kräutergruppe, die ich begleiten durfte. Wir trafen uns wie schon in den Wochen zuvor. Wir gingen unseren Weg. Schauten uns die Pflanzen an. Stellten etwas aus ihnen her.
Doch das Schönste war etwas ganz anderes.
Wir saßen zusammen unter Bäumen. Der Himmel riss auf. Es war Schatten da, ein leichter Wind und plötzlich hatte niemand mehr das Gefühl, irgendwo anders sein zu müssen.
Wir waren einfach da.
Menschen, die sich ohne dieses Projekt wahrscheinlich nie begegnet wären.
Menschen mit unterschiedlichen Geschichten und für einen Moment war alles leicht.
Keiner musste etwas leisten. Keiner musste perfekt sein. Keiner musste etwas darstellen. Wir saßen einfach zusammen. Vielleicht sehnen wir uns genau danach, nach echten Begegnungen, nach Momenten, in denen wir nicht funktionieren müssen, nach Zeiten, in denen wir wieder spüren können, wie es uns eigentlich geht.
Auch das Räuchern begleitet mich in solchen Zeiten immer wieder. Nicht als große Zeremonie oder aufwendiges Ritual.
Manchmal reicht eine kleine Räucherschale.
Ein vertrauter Duft.
Ein paar Minuten Stille.
Ein bewusster Atemzug.
Nicht um etwas zu verändern.
Sondern um wieder bei mir selbst anzukommen.
Vielleicht ist das etwas, das wir in unserer oft lauten Welt vergessen haben.
Wir müssen nicht immer mehr tun.
Wir müssen nicht jede freie Minute nutzen.
Wir müssen nicht ständig produktiv sein.
Manchmal dürfen wir einfach unter einem Baum sitzen.
Den Wind spüren, den Duft einer Pflanze wahrnehmen, einen Tee trinken, eine Räuchermischung anzünden und uns daran erinnern, dass wir Teil der Natur sind.
Mein Körper hat mich in den letzten Wochen daran erinnert.
Und dafür bin ich ihm heute dankbar.
Vielleicht erinnert dieser Text auch dich daran, dir wieder ein wenig mehr Zeit für dich selbst zu schenken.
Die Pflanzen laufen nicht weg.
Die Natur wartet geduldig.
Und manchmal beginnt Heilung genau dort, wo wir aufhören, ständig weiterlaufen zu wollen.

