Wenn der Körper aus dem Gleichgewicht gerät

Wenn der Körper aus dem Gleichgewicht gerät

 

Wie viel kann unser Körper eigentlich aushalten, bis wir endlich reagieren?

 

Viele kleine Anzeichen tun wir einfach ab. Wir suchen nach einfachen Erklärungen, schieben es auf den Stress, das Wetter oder eine anstrengende Zeit. Und manchmal gewöhnen wir uns sogar daran, dass es uns nicht richtig gut geht.

 

Wenn ich heute zurückblicke, begann es bei mir schon vor etwa fünf Jahren, dass sich mein Körper veränderte. Zunächst waren es Kleinigkeiten, die ich nicht wirklich einordnen konnte. Heute frage ich mich, wie viele dieser Signale ich damals schon hätte ernst nehmen können.

 

Vor zwei Jahren begann dann eine Zeit, in der ich ständig krank wurde. Nicht immer richtig schlimm, aber doch so, dass ich mich einfach nicht wohlfühlte. Zwischendurch hatte ich auch immer wieder schwere Grippesymptome.

 

Je länger das andauerte, desto länger brauchte mein Körper, um sich wieder zu erholen. Beim letzten Schub dauerte es ganze vier Wochen, bis ich mich einigermaßen gesund fühlte. Doch die Erholung hielt gerade einmal zwei Wochen an.

 

Eine Blutuntersuchung brachte schließlich eine Erklärung: Mein Vitamin-D-Spiegel war extrem niedrig und auch meine Eisenwerte waren stark vermindert. Meine Eisenspeicher waren praktisch leer.

 

Nun, zwei Wochen nach Beginn der gezielten Versorgung, sind meine Speicher natürlich noch lange nicht aufgefüllt. Aber ich merke erste Veränderungen. Langsam wird mein Kopf wieder klarer, auch wenn mein Körper noch etwas Zeit braucht, um hinterherzukommen.

 

Es klingt im Nachhinein so einfach. Ein Blutbild, ein paar auffällige Werte und eine Erklärung für vieles, was ich vorher nicht verstanden hatte.

 

Aber was hat mein Körper in all dieser Zeit eigentlich einstecken müssen, während ich seine Signale immer wieder hingenommen habe?

 

Und dabei erscheint mir heute vieles so logisch.

 

Um meinen Körper künftig bewusster unterstützen zu können, habe ich mir zunächst einmal meine Ernährung genauer angesehen. Was esse ich eigentlich täglich? Wo kann ich etwas verändern? Und wie kann ich meinen Speiseplan sinnvoll ergänzen, ohne gleich meine gesamte Küche auf den Kopf zu stellen?

 

Dabei habe ich festgestellt, dass es oft gar nicht viel braucht. Ganz normale Rezepte lassen sich wunderbar mit heimischen Kräutern aufwerten.

 

Was steckt eigentlich in unseren Kräutern?

Kräuter sind für mich schon lange mehr als nur eine geschmackliche Ergänzung auf dem Teller. Sie bringen Duft, Farbe und Vielfalt in unsere Küche. Doch wenn man sich einmal genauer mit ihnen beschäftigt, entdeckt man auch ihre ernährungsphysiologischen Eigenschaften.

 

Die Brennnessel beispielsweise enthält verschiedene Mineralstoffe und auch Eisen. Petersilie ist reich an Vitamin C. Und gerade Vitamin C kann unserem Körper dabei helfen, pflanzliches Eisen aus der Nahrung besser aufzunehmen.

 

Auch andere heimische Kräuter wie Löwenzahn, Giersch oder Vogelmiere bringen unterschiedliche Inhaltsstoffe mit, die unsere Ernährung bereichern können.

 

Dabei geht es nicht darum, möglichst viele Kräuter zu sammeln oder jedes Essen in eine Kräutermischung zu verwandeln. Vielmehr möchte ich wieder bewusster wahrnehmen, was uns die Natur direkt vor unserer Haustür zur Verfügung stellt.

 

Drei einfache Ideen für den Alltag

Manchmal denken wir bei Wildkräutern an aufwendige Gerichte oder besondere Rezepte. Dabei können wir schon mit kleinen Veränderungen unsere alltäglichen Mahlzeiten ergänzen.

 

Hier sind drei Ideen, die sich ganz einfach umsetzen lassen. 

Frühstück: Porridge mit Beeren und Kürbiskernen

 

Zutaten für eine Portion

 

  • 50g Haferflocken
  • 1EL Kürbiskerne
  • 1EL gemahlene Mandeln
  • Eine Hand voll Johannisbeeren oder Himbeeren
  • 150ml Haferdrink oder Wasser
  • Etwas Zimt
  • Optional etwas Hagebuttenpulver

Zubereitung

 

Die Hafeflocken mit dem Haferdink oder Wasser erwärmen und einige Minuten quellen lassen. Anschkießend Beeren, Kürbiskerne, Mandeln und Zimt darüber geben.

 

Haferflocken und Kürbiskerne liefern Eisen und Magnesium. Die Beeren ergänzen das Vitamin C und unterstützen die Aufnahme des pflanzlichen Eisens

Mittagessen: Kartoffelsuppe mit Brennnessel

 

Eine klassische Kartoffelsuppe kennt vermutlich jeder. Mit einer Handvoll junger Brennnesselblätter bekommt sie eine ganz neue Note.

 

Zutaten für zwei Portionen:

 

- 400 g Kartoffeln

- 1 kleine Zwiebel

- 1 Möhre

- Eine gute Handvoll junge Brennnesselblätter

- 500 ml Gemüsebrühe

- Etwas Öl

- Salz, Pfeffer und Muskat

 

Zubereitung:

 

Zwiebel und Möhre klein schneiden und in etwas Öl anschwitzen. Kartoffeln dazugeben, mit Gemüsebrühe auffüllen und weich kochen.

 

Die gründlich gewaschenen Brennnesselblätter kurz vor Ende dazugeben und einige Minuten mitgaren. Anschließend alles nach Belieben pürieren und abschmecken.

 

Die Brennnessel enthält unter anderem Eisen und verschiedene Mineralstoffe. Durch das Erhitzen verliert sie ihre Brennwirkung.

Abendbrot: Bunter Wildkräuterquark

 

Ein frischer Kräuterquark ist schnell gemacht und passt wunderbar zu Vollkornbrot, Pellkartoffeln oder Gemüsesticks.

 

Zutaten:

 

- 200 g Quark

- Etwas Naturjoghurt zum Cremigrühren

- Eine Handvoll Vogekmiere

- Einige junge Löwenzahnblätter

- Etwas Petersilie

- Ein Spritzer Zitronensaft

- Salz und Pfeffer

 

Zubereitung:

 

Den Quark mit etwas Joghurt cremig rühren. Die Kräuter fein hacken und unterheben. Mit Zitronensaft, Salz und Pfeffer abschmecken.

 

Wer mag, kann noch etwas geriebene Gurke oder kleine Radieschenwürfel dazugeben.

 

So entsteht aus wenigen Zutaten ein frischer Brotaufstrich, der nicht nur gut schmeckt, sondern auch verschiedene Pflanzenstoffe und Vitamine mitbringt.

Grüne Blattpflanzen liefern Vitamin K1 und weitere Pflanzenstoffe. Petersilie und Löwenzahn ergänzen verschiedene Mikronährstoffe.

Welche Lebensmittel liefern besonders viel Eisen?

Neben unseren heimischen Kräutern gibt es natürlich viele weitere Lebensmittel, die uns mit Eisen versorgen können.
Dazu gehören beispielsweise:
  • Kürbiskerne: eine gute pflanzliche Eisenquelle und ideal als Topping für Salate oder Müsli. (12 bis 12,5mg pro 100g)
  • Linsen: liefern Eisen und zusätzlich pflanzliches Eiweiß (6,5 bis 8mg pro 100g)
  • Haferflocken: lassen sich wunderbar ins Frühstück integrieren. (4,5 bis 5,8 mg pro 100g) (über Nacht in Milch einweichen lassen)
  • Weiße Bohnen: enthalten Eisen und Ballaststoffe.(6 bis 7mg pro 100g)
  • Hirse: eine vielseitige Beilage und Eisenquelle.(6 bis 9mg pro 100g)
  • Sesam: passt zu Salaten, Gemüse und Brot.(10 bis 11mg pro 100g)
  • Fleisch: insbesondere Rindfleisch liefert gut verfügbares Eisen.(2,1 bis 3,3mg pro 100g)
  • Brennnessel: enthält ebenfalls Eisen und verschiedene Mineralstoffe.(4,1mg pro 100g)
  • Brennnesselsamen getr.: eignen sich hervorragend als Topping für Salate oder Suppen.(28mg pro 100g)
  • Vogelmiere: enthält Eisen, viel Vitamin C (115mg pro 100g) und viele weitere Mineralstoffe und macht sich sehr gut in Kräuterquark, Salaten oder auf dem Butterbrot.(8,4 bis 9mg pro 100g)
Dabei gibt es einen wichtigen Unterschied: Eisen aus tierischen Lebensmitteln kann unser Körper in der Regel besser aufnehmen als das sogenannte Nicht-Häm-Eisen aus pflanzlichen Lebensmitteln.
 
Das bedeutet aber nicht, dass pflanzliche Eisenquellen unwichtig sind. Mit der richtigen Kombination können wir die Aufnahme verbessern.

Vitamin C – ein wichtiger Helfer bei der Eisenaufnahme

Vitamin C unterstützt unseren Körper dabei, pflanzliches Eisen besser aufzunehmen.
Besonders gute Vitamin-C-Quellen sind beispielsweise:
  • Hagebutten
  • Sanddorn
  • Petersilie
  • schwarze Johannisbeeren
  • Paprika
  • Zitronen
Schon ein Spritzer Zitronensaft über dem Essen oder etwas frische Paprika zur Mahlzeit kann dabei helfen.
 
Auch Kaffee sowie schwarzer und grüner Tee können die Aufnahme von pflanzlichem Eisen hemmen. Deshalb ist es sinnvoll, sie nicht direkt zu einer eisenreichen Mahlzeit oder zur Einnahme eines Eisenpräparats zu trinken.

Und was ist mit Vitamin D?

Vitamin D nimmt unter den Vitaminen eine besondere Stellung ein. Unser Körper kann es mithilfe von Sonnenlicht selbst bilden. Dafür benötigt die Haut allerdings ausreichend UV-B-Strahlung.
 
Gerade in den sonnenarmen Monaten ist diese körpereigene Bildung bei uns in Deutschland stark eingeschränkt.
 
Über die Ernährung können wir Vitamin D unter anderem durch folgende Lebensmittel aufnehmen:
  • fettreichen Fisch wie Lachs oder Hering
  • Eigelb
  • bestimmte UV-bestrahlte Pilze
  • mit Vitamin D angereicherte Lebensmittel
 
Allerdings lässt sich ein ausgeprägter Vitamin-D-Mangel meist nicht allein über die Ernährung ausgleichen. Wenn ein Mangel festgestellt wurde, ist eine gezielte Versorgung in Absprache mit der Ärztin oder dem Arzt wichtig.
Da Vitamin D fettlöslich ist, wird es am besten zusammen mit einer Mahlzeit eingenommen, die etwas Fett enthält.

Magnesium – ein wichtiger Partner für Vitamin D

Bei meiner Beschäftigung mit Vitamin D bin ich auch auf einen weiteren Mineralstoff gestoßen, der dabei eine wichtige Rolle spielt: Magnesium.
Magnesium ist an zahlreichen Stoffwechselvorgängen beteiligt. Unser Körper benötigt es unter anderem für die Verarbeitung und Aktivierung von Vitamin D.
Es lohnt sich deshalb, auch auf eine ausreichende Magnesiumversorgung zu achten.
Gute Magnesiumquellen sind beispielsweise:
  • Kürbiskerne und Sonnenblumenkerne
  • Mandeln
  • Sesam
  • Haferflocken
  • Hirse
  • Hülsenfrüchte
  • Vollkornprodukte
  • grünes Blattgemüse
Auch Wildkräuter wie Brennnessel, Löwenzahn und Vogelmiere können unseren Speiseplan ergänzen. Für eine zuverlässige Magnesiumversorgung sind allerdings auch Samen, Nüsse, Getreide und Hülsenfrüchte interessant.

Vitamin K – was hat K2 mit Vitamin D zu tun?

Ein weiterer Nährstoff, der häufig im Zusammenhang mit Vitamin D genannt wird, ist Vitamin K.
Vitamin D unterstützt unter anderem die Aufnahme von Calcium aus dem Darm. Vitamin K wiederum ist daran beteiligt, bestimmte Proteine zu aktivieren, die für den Knochenstoffwechsel und den Umgang mit Calcium im Körper wichtig sind.
Dabei unterscheidet man verschiedene Formen von Vitamin K.
 
Vitamin K1 kommt vor allem in grünen Pflanzen vor. Dazu zählen beispielsweise:
  • Grünkohl
  • Spinat
  • Petersilie
  • Löwenzahnblätter
  • Brennnesseln
 
Vitamin K2 findet sich unter anderem in fermentierten Lebensmitteln, beispielsweise in Natto und einigen Käsesorten.
Beide Formen erfüllen wichtige Aufgaben im Körper. Trotzdem bedeutet das nicht, dass jeder Mensch, der Vitamin D einnimmt, automatisch zusätzlich Vitamin K2 benötigt. Eine routinemäßige Kombination von Vitamin D und K2 ist nicht für jeden notwendig oder ausreichend wissenschaftlich begründet.
 
Für mich ist vor allem interessant, wie eng verschiedene Nährstoffe und Stoffwechselvorgänge miteinander verbunden sind.

Kleine Veränderung statt große Vorsätze

Je mehr ich mich mit dem Thema beschäftige, desto deutlicher wird mir, wie wichtig eine abwechslungsreiche Ernährung ist. Dabei geht es nicht darum, plötzlich alles anders zu machen oder jeden einzelnen Nährstoff genau auszurechnen.
 
Es sind oft die kleinen Dinge, die wir verändern können. Ein paar frische Kräuter über dem Essen, eine Handvoll Samen im Quark, etwas Paprika zur eisenreichen Mahlzeit oder ein bewusster Blick darauf, was täglich auf unserem Teller landet.
 
Natürlich können Lebensmittel und Kräuter einen ausgeprägten Mangel nicht einfach beheben. Dafür braucht es manchmal eine gezielte medizinische Versorgung. Aber sie können uns dabei unterstützen, unseren Körper im Alltag gut zu versorgen.
 
Für mich ist das gerade ein neuer Weg, auf dem ich noch einiges entdecken möchte. Ich möchte wieder genauer hinschauen, ausprobieren und lernen
 
Denn ein bewussterer Umgang mit unserem Körper beginnt genau dort: bei den kleinen Dingen, die wir jeden Tag tun.
 
Nicht erst dann, wenn gar nichts mehr geht. Sondern schon dann, wenn unser Körper leise anfängt, mit uns zu sprechen.
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